US-Ökonom Eichengreen will Solidaritätszuschlag für Euro-Zone

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US-Ökonom Eichengreen will Solidaritätszuschlag für Euro-Zone

09.07.2017 - 07:00 Uhr

US-Ökonom Eichengreen will Solidaritätszuschlag für Euro-Zone US-Ökonom Eichengreen will Solidaritätszuschlag für Euro-Zone Wirtschaft
über dts Nachrichtenagentur

Der US-Spitzenökonom Barry Eichengreen hat einen Solidaritätszuschlag für die Euro-Zone gefordert: Die Einnahmen aus einem solchen Euro-Soli sollten in einen Europäischen Solidaritätsfonds fließen, in den alle Länder einzahlen. "Sie können das einen europäischen Solidaritätszuschlag nennen", sagte Eichengreen der "Welt am Sonntag" (9. Juli 2017). "Das System würde sich nicht groß von dem unterscheiden, was die Regierung damals nach der Wende in Deutschland gemacht hat. Aber der Umfang wäre natürlich viel kleiner."

Geld aus dem Fonds solle allerdings nur im Fall einer wirtschaftlichen Krise in die betroffenen Länder fließen. Es gehe nicht um dauerhafte Transfers, so Eichengreen. "Alle Länder könnten in diesen Fonds einzahlen und in einer wirtschaftlichen Krise, wenn in einem Mitgliedsland die Arbeitslosigkeit rapide ansteigt, könnte dieser Fonds das betroffene Land oder die betroffenen Länder unterstützen", beschreibt der Ökonom das Konzept. Ein Europäischer Währungsfonds (EWF), wie ihn jüngst auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ins Gespräch gebracht hat, könnte ein erster Schritt in diese Richtung sein, sagte Eichengreen. Dies sei auf jeden Fall eine Richtung, in die es gehen sollte. "Wir brauchen einen europäischen Topf mit Geld, aus dem Krisenländer im Notfall Kredite bekommen - natürlich nur unter bestimmten Bedingungen", sagte er. Entscheidend sei, dass ein EWF oder eine ähnliche Institution Hilfskredite mit Bedingungen verknüpfen kann. "In der Tat macht ein EWF nur Sinn, wenn er Geld unter strengen Bedingungen verleiht", sagte Eichengreen. "Dafür müsste er von der Politik unabhängig sein wie die Europäische Zentralbank, die zumindest auf dem Papier politisch unabhängig agiert. Ein EWF, der unabhängig geführt wird, könnte meines Erachtens auch strenge Bedingungen für die Zahlungsempfänger formulieren." Eichengreen ist Professor an der US-Eliteuniversität Berkeley und forscht seit Jahrzehnten zu Währungs- und Finanzsystemen.

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Kommentare zu "US-Ökonom Eichengreen will Solidaritätszuschlag für Euro-Zone"

Insgesamt 2 Kommentare vorhanden


Kommentar von moses1972
09.07.2017 19:13 Uhr

Ich weiss nicht was ich davon halten soll. Das ganze höhrt sich noch nicht sehr ausgereif an. Wir werden mal abwarten was aus diesem Vorschlag weiter wird.

Kommentar von GoldSaver
09.07.2017 12:38 Uhr

Das ist ja im Prinzip nichts anderes, als eine Not-Bankkonto, in welches jedes Land der EU einzahlen soll.

Das hätte sicher Vor- aber ebenso auch Nachteile.