IW: Parität bei Lohnkosten heizt Inflation an

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IW: Parität bei Lohnkosten heizt Inflation an

22.08.2017 - 19:27 Uhr

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über dts Nachrichtenagentur

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) erwartet als Folge einer Wiedereinführung der vollen Parität bei den Lohnnebenkosten einen Anstieg der Preissteigerungsrate bis 2027 um 3,6 Prozent. Das geht aus einer Modellrechnung hervor, über die das "Handelsblatt" in seiner Mittwochausgabe berichtet. SPD, Grüne und Linke wollen die Zusatzbeiträge zur Krankenversicherung, die allein die Versicherten zahlen müssen, kippen und den Arbeitgeberbeitrag im Gegenzug wieder auf 50 Prozent des gesamten Krankenkassenbeitrags erhöhen.

Die IW-Studie bestätigt allerdings, dass die Rückkehr zur Parität den 70 Millionen gesetzlich Versicherten zunächst auf einen Schlag 7,4 Milliarden Euro mehr Nettoeinkommen pro Jahr bringen würde. 1,4 Milliarden Euro würden allein bei den 20 Millionen Rentnern landen. Dieser warme Geldregen für die Verbraucher würde auch die Inlands-Konjunktur anheizen. Um 0,3 Prozent würde der private Konsum bereits 2018 im ersten Jahr der Abschaffung des Zusatzbeitrags steigen. Im zehnten Jahr, 2027, wäre die Binnennachfrage immer noch 0,5 Prozent höher als bei Fortgeltung des geltenden Rechts. Doch diesem Schub für die Inlandsnachfrage stehen die negativen Effekte der stärkeren Belastung der Arbeitgeber um sechs Milliarden Euro im Jahr bei den Arbeitskosten gegenüber. Und die überwiegen nach der Modellrechnung des IW auf Dauer. Das IW unterstellt dabei, dass die Unternehmen versuchen werden, den starken Anstieg der Lohnkosten vor allem durch Preiserhöhungen bei ihren Produkten auszugleichen. Dies werde zu Lasten der deutschen Exportwirtschaft und ihrer Wettbewerbsfähigkeit gehen. Die Exporte würden zwar im ersten Jahr nur um 0,1 Prozent niedriger ausfallen, als ohne Reform. Doch bereits 2021 würden die Nachteile durch die gesunkene Wettbewerbsfähigkeit im Geschäft mit dem Ausland den Vorteil der gestiegenen Kaufkraft im Inland übertreffen. Unter dem Strich drohe ein Minus beim realen Wachstum des Brutto-Inlandsprodukts von 0,4 Prozent bis 2027. Auch die Zahl der Erwerbslosen würde wegen der Abschaffung der Zusatzbeiträge zunehmen und 2027 um 0,8 Prozentpunkte höher liegen als ohne die Erhöhung der Lohnzusatzkosten der Unternehmen. Das würde 400.000 Arbeitslose mehr bedeuten. Schließlich würden die steigenden Preise einen Gutteil der gestiegenen Nettoeinkommen wieder "auffressen".

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Kommentare zu "IW: Parität bei Lohnkosten heizt Inflation an"

Insgesamt 4 Kommentare vorhanden


Kommentar von Freddie32
23.08.2017 20:01 Uhr

Wirtschaftlich und in anderen hinsichten gesehen vielleicht eine positive entwicklung die sich dadurch das gesamt einstellen würde.
mal sehen wie es weiter geht.

Kommentar von Eckhard
23.08.2017 07:39 Uhr

Preise und Kosten steigen leider sehr viel schneller als die Löhne und somit haben die Arbeitnehmer immer weniger Geld zur freien Verfügung. Hinzu kommt, dass das Lohnniveau in Deutschland drastisch gesunken ist.

Kommentar von moses1972
22.08.2017 21:46 Uhr

Die Preise steigen und steigen. Auch die Löhne steigen und steigen. Sag mir mal einer was das ganze den soll. Es ist doch nur eine ewige Spirale nach oben.

Kommentar von moonraker2005
22.08.2017 19:51 Uhr

Steigende Preise ist doch nichts neues. es wird doch immer alles teurer. Mich würde mal interessieren wo diese Preisspirale noch hinführen soll. Ist immer das gleiche.