Entwicklungsminister fürchtet Verschärfung globaler Flüchtlingslage

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Entwicklungsminister fürchtet Verschärfung globaler Flüchtlingslage

18.06.2020 - 07:01 Uhr

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über dts Nachrichtenagentur

Entwicklungsminister Gerd Müller warnt vor einer drastischen Verschärfung der weltweiten Flüchtlingslage. "Weltweit sind fast 80 Millionen Menschen auf der Flucht, so viele wie nie zuvor", sagte der CSU-Politiker den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Donnerstagausgaben). Die Zahl der Vertriebenen habe sich in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt.

Die Corona-Pandemie werde die Entwicklung noch beschleunigen. "Für viele Flüchtlinge ist die Coronakrise bereits eine dramatische Hungerkrise", mahnte Müller. 80 Prozent der Flüchtlinge lebten in Regionen, wo die Ernährungslage sehr kritisch sei, wie im Jemen oder der Sahelregion. 90 Prozent der weltweiten Flüchtlinge würden aktuell von Entwicklungsländern aufgenommen. Nach neuesten Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) ist die Zahl der Geflüchteten und Vertriebenen weltweit im vergangen Jahr weiter gestiegen: Aktuell sind demnach 79,5 Millionen Menschen auf der Flucht vor Konflikten, Krieg und Gewalt - deutlich mehr Menschen als im Vorjahr. Davon sind 46 Millionen Menschen Binnenvertriebene innerhalb ihres eigenen Landes. Menschen auf der Flucht seien besonders hart von der Corona-Pandemie getroffen, so der CSU-Politiker. Durch Grenzschließungen könnten viele von ihnen kein sicheres Aufnahmeland erreichen - Menschenhändler profitierten "auf abscheuliche Weise" davon. Auch in den Flüchtlingslagern seien die Zustände katastrophal: "Händewaschen, Abstand zu anderen, mit dem Ersparten über die Runden kommen - all das ist für Flüchtlinge nicht möglich", so der Minister. Die Bundesregierung habe mit dem Nachtragshaushalt 2020 auch den Ausbau des weltweiten Corona-Sofortprogramms um drei Milliarden Euro für dieses und das nächste Jahr beschlossen. Mit dem Geld aus dem Corona-Programm würden derzeit etwa im Irak Behelfskrankenhäuser für 14.000 Patienten gebaut und damit die intensivmedizinischen Kapazitäten im Land verdoppelt. In Äthiopien würden Textilfabriken auf die Produktion von Millionen Schutzmasken umgestellt. Zehntausende Näherinnen könnten so ihre Arbeit behalten. Zudem sage die Bundesregierung 19 Millionen Euro für Ernteausfallversicherungen zu und unterstütze so Millionen Kleinbauern in der Krise. In mehreren afrikanischen Ländern werde mit dem Geld aus dem Corona-Programm der Bau von sanitären Anlagen und Hygienekampagnen in Flüchtlingssiedlungen finanziert. Im Sudan würden von Frauen geführte Unternehmen gefördert, die Schutzmasken herstellen. In den Flüchtlingscamps der Rohingya in Bangladesch, wo eine Million Menschen unter schlimmsten Bedingungen lebten, fließe das Geld ebenfalls in Sanitär- und Kläranlagen sowie medizinische Betreuung.

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