Bundesumweltministerium: Deutsches Klimaziel rückt in die Ferne

Politik Umweltschutz


Bundesumweltministerium: Deutsches Klimaziel rückt in die Ferne

11.10.2017 - 00:00 Uhr

Bundesumweltministerium: Deutsches Klimaziel rückt in die Ferne Bundesumweltministerium: Deutsches Klimaziel rückt in die Ferne Politik
über dts Nachrichtenagentur

Deutschland bleibt hinter den eigenen Ansprüchen im Klimaschutz noch weiter zurück als bisher gedacht. Offiziell strebt die Bundesregierung noch an, die klimaschädlichen Emissionen bis 2020 um 40 Prozent unter den Wert von 1990 zu drücken: Doch die Lücke zum Ziel ist nach internen Berechnungen des Bundesumweltministeriums weit größer als angenommen, schreibt die "Süddeutsche Zeitung" (Mittwoch). Ohne eine "Nachsteuerung" sei bis 2020 bestenfalls ein Minus von 32,5 Prozent zu erwarten; schlimmstenfalls würden die Emissionen nur um 31,7 Prozent sinken.

"Eine Zielverfehlung in einer solchen Größenordnung wäre für die Klimaschutzpolitik Deutschlands ein erheblicher Rückschlag", heißt es laut SZ in dem Papier. Hauptgrund für die Verfehlung seien die weiterhin hohen Emissionen bei der Stromerzeugung. So sei zwar der Anteil erneuerbarer Energien in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Gleichzeitig produzierten die deutschen Kohlekraftwerke jedoch fleißig weiter für den Export. Dies bedeute zehn Millionen Tonnen an Treibhausgas-Emission zusätzlich, heißt es in dem Papier. Weil parallel sowohl Bevölkerung als auch Wirtschaft wachsen, steige auch der Stromverbrauch. Dies mache weitere zehn Millionen Tonnen zusätzliche Emissionen aus. Je 12,5 Millionen Tonnen CO2 bedeuten einen Prozentpunkt für das Klimaziel. Nicht besser sieht es beim Verkehr aus. Ein deutlich gestiegener Dieselabsatz lasse darauf schließen, "dass die Lkw-Fahrleistungen höher als erwartet liegen", mutmaßen die Beamten des Umweltministeriums. Bei Kleinlastwagen und Autos sei der Verbrauch ebenfalls gestiegen - wohl auch der niedrigen Spritpreise wegen. Unterm Strich könnten die Verkehrsemissionen im Jahr 2020 die jüngsten Schätzungen um acht Millionen Tonnen übersteigen. Weitere sechs Millionen Tonnen Abweichung lauern bei den Gebäuden, auch hier der niedrigen Ölpreise wegen. Zuletzt war deshalb in deutschen Kellern wieder mehr Öl und weniger Gas verfeuert worden. Öl verursacht höhere Emissionen als Gas. Viele der Zahlen seien noch mit Unsicherheiten behaftet, räumt das Ministerium ein. "Dennoch lassen sie zumindest die Gefahr einer deutlich größeren Klimaschutzlücke in 2020 plausibel erscheinen." Das wieder mache es umso anspruchsvoller, das Ziel für 2030 zu erreichen: minus 55 Prozent gegenüber 1990. "Zudem wäre dies in Bezug auf das internationale Ansehen Deutschlands als Klimaschutzvorreiter verheerend", warnen die Beamten.

Facebook Twitter Google+ Xing Linkedin

Ähnliche Artikel

Folgende Artikel aus dem Thema Politik könnten Sie auch interessieren

Jetzt kostenlos registrieren !

Verpassen Sie keine aktuellen Neuigkeiten mehr und registrieren Sie sich kostenlos zu unseren Diensten.


Neuen Kommentar schreiben

Um einen Kommentar schreiben zu können,
müssen Sie angemeldet sein.


Kommentare zu "Bundesumweltministerium: Deutsches Klimaziel rückt in die Ferne"

Insgesamt 2 Kommentare vorhanden


Kommentar von GoldSaver
11.10.2017 16:44 Uhr

Das ist doch schon lange klar.

Deutschland regt sich zwar immer über andere auf, wie etwa über die USA, aber im Grunde sind wir nicht viel besser. Man hat einfach zu spät überhaupt angefange nund nimmt es immer noch nicht wirklich ernst, das ist mehr Schein als wirkliches Bemühen.

Kommentar von Freddie32
11.10.2017 04:00 Uhr

Klimaziele zu erreichen die man sich fest vorgenommen hat sind leider nicht so einfach im reelen um zu setzen.
Wir haben nur einen Planeten und ich hoffe nach und nach wird sich bessern.