Ärztepräsident warnt vor überzogenen Erwartungen an harten Lockdown

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Ärztepräsident warnt vor überzogenen Erwartungen an harten Lockdown

11.12.2020 - 00:01 Uhr

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über dts Nachrichtenagentur

Bundesärztepräsident Klaus Reinhardt plädiert für einen bundesweiten harten Lockdown nach Weihnachten, warnt aber vor überzogenen Erwartungen. "Angesichts der aktuell sehr hohen Todeszahlen und einer unverändert hohen Belastung in den Kliniken müssen wir die Kontakte schnell und deutlich reduzieren", sagte Reinhardt dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (Freitagausgaben). Das gehe am besten durch ein Herunterfahren des öffentlichen Lebens zwischen Weihnachten und dem 10. Januar und damit in einer Phase, die ohnehin eine Zeit der Ruhe sei.

"Es ist aber eine Illusion zu glauben, mit einem harten Lockdown von 14 Tagen ab Weihnachten bekommen wir die Pandemie in den Griff", warnte der Ärztepräsident. "Nach dem Ende eines wie auch immer gearteten Lockdowns werden die Infektionszahlen bei Lockerung der Maßnahmen auch wieder steigen", erwartet Reinhardt. Deshalb müssten bundesweit Konzepte umgesetzt werden, um besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen, also vor allem ältere Menschen, wirksam zu schützen, forderte er. Als vorbildlich lobte Reinhardt das Vorgehen von Tübingens Bürgermeister Boris Palmer (Grüne), ausreichend FFP2-Masken an ältere Menschen auszugeben, für sie spezielle Zeitfenster für den Einkauf im Einzelhandel vorzusehen und Sammeltaxis zum Bustarif anzubieten. "Das sind hervorragende Konzepte, die bundesweit Schule machen müssen", forderte Reinhardt. Der Ärztepräsident forderte Bund und Länder zu einem einheitlichen Vorgehen auf. "Auch wenn hoffentlich ab Januar die Impfungen beginnen, brauchen wir eine klare, nachvollziehbare und längerfristige Strategie zum weiteren Umgang mit dieser Pandemie", sagte er. "Angesichts des ständigen Hin- und Her in der Politik und eines Flickenteppichs an Regelungen besteht die große Gefahr, dass wir die Zustimmung in der Bevölkerung zu den notwendigen Corona-Beschränkungen verlieren." Vor allem die Länder seien gefordert, ihr jeweiliges Vorgehen verständlich zu kommunizieren. "Panik machen und Angst schüren sind keine guten Instrumente, um die Bevölkerung zum Mitmachen zu bewegen", sagte Reinhardt dem RND. "Auf die Akzeptanz in der Bevölkerung sind wir bei der notwendigen Reduzierung der Kontakte in einer freiheitlichen Gesellschaft auf jeden Fall angewiesen."

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